warum tun wir was wir tun?

Tun wir es aus dem Impuls zu lieben oder in der Hoffnung, Liebe zu bekommen, geliebt zu werden?

Tun wir es, um uns zu zeigen oder um uns – gegenüber anderen – zu beweisen?

Wollen wir, was wir tun, wirklich tun? Oder meinen wir, wir müssten es tun?

Gibt es jemanden, dem wir es recht machen wollen oder müssen?

Was wäre, wenn ich alle Energie, die ich investiert habe, um es anderen recht zu machen, zu mir zurück nehmen würde?

Ist es möglich, dass ich dann erfüllt wäre von Selbstliebe?

Kann es sein, dass ich auf dieser Basis andere Entscheidungen treffen würde? Mein Leben neu organisieren? Meine Freundschaften prüfen? Vielleicht loslassen, was mich nicht stärkt in der Liebe zu mir selbst?

Kann ich mir verzeihen, dass ich meine Macht an andere abgegeben habe, die mir sagten, wie ich sein soll?

Kann ich mir verzeihen, dass ich die Verantwortung für mein Leben an so genannte Autoritäten delegiert habe?

Kann ich mir verzeihen, dass ich glaubte, ich müsse mich verbiegen, verbessern, ändern, um geliebt zu werden?

Kann ich mir verzeihen, dass ich mir nicht erlaubt habe, mein Leben so zu leben, wie ich gestimmt und wozu ich bestimmt bin?

Habe ich den Mut, mich jetzt zu entscheiden, die volle Verantwortung dafür zu übernehmen, was ich tue und was ich lasse?

Kann ich mir erlauben, nur noch das zu tun, was ich für richtig und sinnvoll halte?

Wage ich es, meine Kraft zu spüren und anzunehmen?

Erlaube ich mir, in Freude und Liebe weiter zu gehen und gleichzeitig alle Gefühle von Angst, Unsicherheit, Zweifeln, Wut, Ohnmacht, Trauer, Hass, Groll und Ekel anzunehmen, wann immer sie sich zeigen? Dies im Wissen, dass ich nicht diese Gefühle bin, sondern das grosse Schöpferwesen, das alles umfasst?

Traue ich mich, die zu sein, die ich bin? In jedem Moment, bei jeder Begegnung? In Gedanken und Gefühlen bei mir zu bleiben, was auch immer geschieht?

Bin ich bereit, in echten Kontakt und Austausch zu kommen mit anderen Menschen? Bin ich bereit, mich ihnen zu zeigen, ohne jede Maske?

take a bath

Schwellenmätteli Bern. Photo eb

A propos baden…
Meine erste konkrete Erfahrung mit Bewusstsein hatte ich im Badezimmer.
Das war 1998 oder 1999, etwa ein halbes Jahr, nachdem ich begonnen hatte, mich dem Thema anzunähern. Über Gespräche mit Menschen, Lektüre von Büchern und unzähligen Beiträgen, die ich im Web fand.
Ich stand da im Badezimmer und schaute zufällig in die Ecke oberhalb der Badewanne. Weisse Fliesen, sonst nichts. Plötzlich schien diese Ecke zu leuchten, Licht auszustrahlen. Ich war baff. Und begann sogleich zu überprüfen, woher dieses Licht kommen könnte. Es war ein Herbsttag, etwa so wie heute. Draussen etwas Nebel. Weder von draussen noch hier im Badezimmer eine Lichtquelle auszumachen. Die Deckenlampe ausgeschaltet.
So verliess ich den Raum und nahm mir vor, diese Wahrnehmung im Verlauf des Tages zu überprüfen.
Nachdem ich mich zwei Stunden lang über einen Text gebeugt hatte, hochkonzentriert und minutiös auf Rechtschreibung achtend, musste ich auf die Toilette. Natürlich schaute ich beim Betreten des Badezimmers zuerst in besagte Ecke. Zu meiner Enttäuschung war das Leuchten nicht mehr da.
Zwei Tage später kam die Eingebung: „Das Leuchten ist immer da. Ob du es wahrnimmst oder nicht, hängt von deinem Bewusstseinszustand ab. Sobald du dich in einem weniger hoch schwingenden Bewusstsein befindest, siehst du die Welt in einem anderen, weniger leuchtenden Licht.“

Was ist Bewusstsein?

Alles ist Bewusstsein. Was wir wissen, was wir nicht wissen, was wir wissen können, was wir nicht wissen wollen, was uns bewusst ist, was uns nicht bewusst ist, was wir glauben, was wir ahnen, was uns andere gesagt haben, was wir erlebt haben, was wir noch erleben werden, was uns vorschwebt, was wir wünschen, was wir ablehnen, was wir lieben, was wir loben, was wir wollen, meinen oder verneinen… Die Liste lässt sich beinahe endlos fortsetzen. Weil ALLES nicht zu fassen ist, ebenso wenig wie Bewusstsein oder Leben. Es ist immer wieder anders.

Es gibt so viele Antworten auf die Frage „Was ist Bewusstsein?“, wie es Menschen gibt, die sie stellen. Jede und jeder schaut durch die eigene Bewusstseinsbrille. Und es ist diese Brille, welche die Antwort bestimmt. Es ist auch diese Brille, welche unsere Realität miterschafft.

Als ich mir diese Frage vor mehr als zwanzig Jahren zum ersten Mal stellte, war dies der Beginn einer Forschungsreise, einer Leidenschaft, das Leben zu erforschen, den Zusammenhängen zwischen Bewusstsein und Wirklichkeit nachzugehen. Die Reise ist endlos, weil sich beides laufend erweitert: Bewusstsein und Wirklichkeit. Es ist eine magische Reise, die mich entdecken liess, wie viel mehr da ist und wirkt, als uns die Lehrer in der Schule vermittelt haben, als uns die Wissenschaft glauben lassen will.

Es war und ist auch eine Reise hin zu mir, zum Kern, zu derjenigen, die ich bin. Jenseits von Prägungen, Vorgaben, Zuschreibungen, Rollen und Identitäten.

Bewusstsein zu erkunden öffnet uns für das, was ist. Dabei schälen wir wie bei einer Zwiebel Schicht um Schicht ab, die wir uns auf unseren Lebenswegen zugelegt haben, um zu überleben und/oder hineinzupassen in eine kleine Welt, die wir nun aufsprengen dürfen, um das Grosse zu erkunden, das diese Welt umfasst, hält und trägt.

Inspiriert haben mich viele Menschen auf diesem Weg. Bewusstseinsforscher, spirituelle Lehrerinnen und Lehrer, jede Menge Bücher und ganz viele Menschen, denen ich begegnen durfte.

Einer der wegweisenden Autoren zum Thema war und ist für mich Jean Gebser: Bewusstseinsforscher, Dichter und Visionär. Sein Werk hat mich derart eingenommen, dass ich ihm im Rahmen meiner Tätigkeit als Radio-Journalistin eine vierteilige Sendereihe widmete. Mehr dazu unter diesem Link.