Goddess

da tanzt ein kind in deiner mitte – ein könig singt und die prinzessin swingt – da wacht über allem SIE – sie schaut und weiss – in ihrem herzen leis – bewegt sie was sie sieht – auf und ab im kreis – schau nur und wisse – sie hört und hält auch dich

Was geht hier eigentlich ab?

Es muss 1997 gewesen sein, als ich das erste Mal den Gedanken hatte, dass etwas Entscheidendes im Gang war, was diesen Planeten erschütterte und uns Menschen in einen Wandel mitnahm, der unumkehrbar und in jeder Hinsicht wendend sein würde. Ich litt seit mehr als fünf Jahren an unerklärlichen physischen und psychischen Beschwerden, hatte deswegen die ganze Palette an medizinischen und paramedizinischen Angeboten kennengelernt, ohne bleibend Linderung oder gar Heilung zu erfahren. Die Symptome reichten von Magenbeschwerden über Schwindelgefühle, Schlafstörungen, Herzrasen, Gallebeschwerden bis hin zu Angst-Zuständen. Mir war, als ob mir der Boden unter den Füssen wegbrechen würde, als ob sich alles was mir Halt gegeben hatte, auflösen würde, allem voran mein logischer Verstand, der sich nur noch im Kreis drehte.

Zufällig stiess ich eines Tages auf einen Text in einer esoterischen Zeitschrift, in dem die Rede war von Veränderungen im Magnetfeld der Erde und von einer Neuen Energie, die sich auf der Erde zu entwickeln begänne. Ich reagierte wie ein Kind, das endlich gehört wird, sich nach Jahren zum ersten Mal verstanden fühlt: Ich brach in Tränen aus und wurde während Stunden von einem Weinen durchgeschüttelt, das mir endlich erlaubte, auch mit mir selbst mitzufühlen ob meiner schier unendlichen Odyssee auf der Suche nach Heilung, die mir, weil es keine nachweisbare Ursache für meine multiplen Beschwerden gab, lediglich die Diagnose psychosomatische Beschwerden eingebracht hatte – wobei ich damit immer ein Gefühl von selber schuld verbunden hatte. Und nun stand es da in dieser esoterischen Zeitschrift, schwarz auf weiss: Im Zuge des so genannten Lichtkörperprozesses, den wir Menschen im Zusammenhang mit dem aktuellen kosmischen und planetaren Wandel durchzumachen hätten, könnten Beschwerden wie Schlafstörungen, Übelkeit, Grippe-Symptome, Schwindel, Kopfschmerzen, Herzrasen, ein Gefühl von Identitätsverlust und noch vieles mehr auftreten.

«Es ist die Erde, die sich wandelt und das spüre ich.», schrieb ich in mein Tagebuch. «Endlich eine Erklärung! Ich bin kein hoffnungsloser Fall, nur ein mutierendes Wesen. Und diese Mutation ist in Einklang mit einem grossen kosmischen Wandel.»

So begannen meine Recherchen über die Zeitenwende und die Neue Energie. Ich erzählte zunächst keinem Menschen davon, so esoterisch kamen mir die Informationen vor. Etwas in mir, eine Präsenz in den Zellen, kam dabei ins Jubeln, als ob mir jemand die Tür geöffnet hätte, ein Tor, das mich auf den Weg bringen könnte zu meinem wahren Zuhause.

Plötzlich erhielt auch die unerwartete Öffnung im Bewusstsein eine Bedeutung, die ich bereits 1991 erfahren hatte, bei der ich nicht nur durch die Zeit gereist, sondern auch in eine völlig andere Wahrnehmung der Wirklichkeit geraten war, in der ich mich zutiefst mit allem verbunden fühlte und mit allem kommunizierte, mit Bäumen, Tieren, Steinen und Pflanzen. Die Neue Energie würde zu Öffnungen im Bewusstsein führen, hiess es unter anderem in der erwähnten Zeitschrift. Ich atmete nur noch auf. Ich war nicht dabei, den Verstand zu verlieren, war kein sich psychosomatisch ausagierendes Monster, sondern reagierte einfach sehr sensibel auf planetare Veränderungen.

Seither lese (und prüfe) ich alles, was mir zum Thema Zeitenwende, Erdwandel und Lichtkörperprozess in die Finger kommt. Die meisten Menschen wollen jedoch nichts wissen von einem kosmischen Zeitplan für die aktuellen Veränderungen, für die geistigen Hintergründe der Katastrophen und Umbrüche, welche unsere Welt erschüttern. Einige lassen sich zwar mitreissen von apokalyptischen Theorien rund um das ominöse Datum 2012, doch dann wollen sie das Thema möglichst schnell wieder vergessen, weil es doch nur Angst macht. Die Medien berichten darüber, wenn überhaupt, mit der für esoterische Themen üblichen zynischen Distanz. Eine vertiefte öffentliche Auseinandersetzung mit den kosmischen und geistigen Hintergründen der Zeitenwende hat bis heute nicht stattgefunden.

Für mich hat sich im Verlauf der letzten dreiundzwanzig Jahre eine Klarheit darüber eingestellt, dass wir tatsächlich teilhaben an einem gigantischen Wandel kosmischen Ursprungs, den noch kaum jemand erfassen oder gar überblicken kann. Fest steht, es geht um den Wandel von Bewusstsein und um den Wechsel von einer alten zu einer Neue Energie, beides mit ausgelöst und getragen von Gaia, dem Bewusstsein unseres Planeten Erde.

Dieser Wandel führt uns meiner Wahrnehmung nach nicht in den Abgrund, wie derzeit viele befürchten. Im Gegenteil. Es ist ein Aufbruch zu einem Leben, das auf Liebe basiert statt auf Kampf. Und nun wird sich alles wandeln, was nicht der Liebe dient. Im Kleinen wie im Grossen. Doch bevor sich etwas Ungutes wandeln kann, muss es ans Licht kommen.

giving space

The transition from the old to the new paradigm is a process of adaptation. How long this takes depends on many factors, individually and collectively.

Most of us cross this threshold from the old 3D consciousness to the new one many times. It is like crossing a bridge, falling back, crossing again, falling back again, until our whole being has made up its mind and is able to stay on the other side, in the unknown realms of multidimensional life, where life unfolds completely different from anything we know.

Here we are invited to learn the ART of living by constantly accepting (and thus letting go of) everything that comes up and wants to pull us back into the known survival mode of life that created (and – if we focus on it – immediately re-creates) all that we have now decided to leave behind: Drama, suffering, battles against self and others, fear, the illusion of being a victim and being separated from other beings, from nature and the divine origin.

***

Raum geben

Der Übergang vom alten zum neuen Paradigma ist ein Prozess der Anpassung. Wie lange dieser dauert, hängt von vielen Faktoren ab, individuell und kollektiv.

Die meisten von uns überschreiten diese Schwelle vom alten 3D-Bewusstsein zum neuen viele Male. Es ist wie das Überqueren einer Brücke, zurückfallen, erneut überqueren, wieder zurückfallen, bis unser ganzes Wesen sich entschieden hat und in der Lage ist, auf der anderen Seite zu bleiben, in den unbekannten Bereichen des multidimensionalen Lebens, wo sich das Leben völlig anders entfaltet als alles, was wir kennen.

Hier sind wir eingeladen, die KUNST des Lebens zu erlernen, indem wir ständig alles annehmen (und so loslassen), was auftaucht und uns zurück in den bekannten Überlebensmodus ziehen will, der all das geschaffen hat (und – wenn wir uns darauf konzentrieren – sofort wieder erschafft), was wir nun entschieden haben, hinter uns zu lassen: Drama, Leid, Kämpfe gegen sich selbst und andere. Angst, die Illusion, ein Opfer zu sein und von anderen Wesen, von der Natur und dem göttlichen Ursprung getrennt.

THE CHOICE

And then comes the day, when you don’t need the discomfort any more to move forward. You find shelter – wherever you are – inside of you. And all the musts, shoulds, wants lose their power over you. It is a choice. The choice for unity with your SELF and ALL THAT IS. The choice to end this voyage of duality. To give up the desire for drama and its entourage.

This day comes and goes, from a linear point of view. Until this bob up and down stops while you remain in the New. When and how this happens is not under your control. Nothing that you can achieve through your will. It is a gift that you receive as soon as you accept to receive it.

life alive

It is the discomfort that makes you move. And it starts with feeling.
Not by saying there ist nothing, not by ignoring,
not by fighting the symptoms of discomfort (situation, pain, whatever).
As soon as you fully accept the discomfort, as you allow all feelings to flow
(without telling yourself any story about the why), you will be moved forward.
No reason to fight anything, no reason to run anywhere,
no reason for anything at all.
This is beyond reason, beyond cause and effect, beyond expectation,
wish or being given what you want, beyond wanting anything at all.

Reblogged from October 17th 2019

Mein Christkind

Mein Christkind ist ein sehr heiliges Kind. Es war schon immer bei mir und hat mich angeleitet, anderen Menschen ihre Lasten und Schmerzen abzunehmen. Es lehrte mich, als Sündenesserin zu wirken, wo auch immer ich war. So musste ich stets dafür sorgen, dass es niemandem in meiner Umgebung schlechter ging als mir. Sobald dies der Fall war, bestand meine Aufgabe darin, dieser Person ihren Schmerz abzunehmen und ihn für sie zu verdauen.

Es hatte mir niemand erzählt von diesem Christkind, ich wusste davon seit meiner Geburt. Als ich dann mit sechs Jahren im Kindergarten die Geschichte von Rössli Hü hörte, war ich total hingerissen. Nun wusste ich, was ich tat und warum. Von da an hiess mein Christkind Rössli Hü.

Im Religionsunterrischt hörte ich später von einem Christuskind, das die Menschen und die Welt erlöst habe oder erlösen werde. Mir war nicht so klar, ob das nun schon geschehen war oder ob es erst in der Zukunft zu dieser Erlösung kommen werde, wenn wir alle schön brav seien. Mir gefiel diese Geschichte nicht so gut wie diejenige von Rössli Hü und ich beschloss, weiterhin Rössli Hü zu folgen.

Die Jahre vergingen und ich sah überall Leid in der Welt, das zu lindern wäre. Angefangen bei meiner Familie, weiter bei meinen Partnern, Freundinnen und Freunden. Bei meinen Kolleginnen und Kollegen am Arbeitsplatz, den Menschen im Bus, im Kino, auf Baustellen, in Einkaufsläden, einfach überall. So war ich stets beschäftigt. Und überlüpfte mich auch regelmässig, sodass ich vor Erschöpfung zusammenbrach.

Doch das liess ich nie lange zu. Ich erinnerte, wie Rössli Hü sich immer wieder aufgerappelt hatte, und machte weiter. – Bis ich so erschöpft war, dass ich keinen Schritt mehr tun konnte und in eine tiefe Depression fiel.

Und da geschah etwas. In mir regte sich eine Stimme, die von sich behauptete, sie sei mein neues Christkind. Es stupste mich von innen her an und sagte: „Hörst du dieses schreiende Kind in dir? Nimm es wahr und tröste es. Ich helfe dir dabei.“ Was dann geschah, fühlte sich an wie ein Wunder.

Seither begleitet mich dieses Geschehen. Da meldet sich immer wieder so Kind, das sofort und unbedingt gehört und in den Arm genommen werden will. Mein neues Christkind ist dann sofort zur Stelle und hilft mir. Kürzlich sagte es mir, das sei meine wichtigste Aufgabe, diese Kinder in meinem Innern wahrzunehmen und in mein Herz zu schliessen. Ich müsse nicht die Welt retten, nur mich selbst. Dann erst sei ich in der Lage, mit anderen Menschen mitzufühlen, ohne deren Lasten tragen zu müssen und mich mit ihnen zu verstricken. Damit wäre echt niemandem gedient und ich würde zuletzt wieder zusammenbrechen.

Passend dazu das Hörgedicht „nicht rund“ aus dem Jahr 2000:

eveline blum: text und stimme; hans peter wermuth: musik.

CD die blums: „imshalé“. poeta productions 2000.

unlearn

unlearn
what I’ve been told

unlearn
who I thought I am

unlearn
what I believe

unlearn
about right or wrong

unlearn
perspectives
techniques
procedures

unlearn
history
religions
philosophies

unlearn
what I learnt

unlearn
aiming for
expecting
wanting

weinen und feiern

Nach dem Hochladen des Audios „bitte weinen“ vor zwei Tagen, begann ich mich zu fragen, was sich für mich in den zwanzig Jahren seit der Aufnahme (und dreissig Jahre seit dem Verfassen des Textes) geändert hat. Noch immer gibt es die Stimme in mir, die den Menschen etwas zurufen will. „Bitte weinen. Bitte hinschauen. Bitte mutig der Wahrheit des eigenen Herzens folgen. Bitte mitfühlend und friedvoll bleiben bei allem, was sich zeigt. Bitte Vergebung üben. Bitte Schönheit, Wahrheit, Güte und Liebe im Fokus halten.“

Als ehemalige Journalistin kenne ich diese Art von Mission: Den Menschen sagen zu wollen, was Sache ist. Und genau das bin ich dabei, loszulassen. Das ist nicht die Art, wie ich mit Menschen kommunizieren und zusammenleben will. Die friedvolle Gemeinschaft, die mir vorschwebt, ist eine Gemeinschaft von mündigen Menschen, welche sich gegenseitig dabei unterstützen, ihre Wahrheit zu erkennen und zu leben. Dazu gehört, dass es Raum gibt für alle Gedanken, Gefühle und individuellen Wahrheiten. Da ist niemand mehr, der den anderen sagt, wie sie sein sollen, weil alle auf dem Weg sind, sich selbst zu erkennen und ihr Selbst zum Ausdruck zu bringen, im Bewusstsein, dass wir aus diesem Selbst heraus gemeinsam unsere kollektive Realität erschaffen. Bewusst oder unbewusst.

Der Weg von unbewusstem zu bewusstem Erschaffen ist… ein Weg. Und dieser Weg folgt keinen äusseren Vorgaben. Er wird von etwas gesteuert, was die meisten Menschen Seele nennen. Die Wissenschaft würde vielleicht von einem Feld sprechen. Und damit komme ich zur Ausgangsfrage. Was ich damals spürte, war im Feld. Ich nahm es wahr und schrieb darüber. Fast niemand in meinem Umfeld verstand, wovon ich sprach. Heute sehe ich im aktuellen Chaos der äusseren Welt, was ich mit dem Text ansprach. Was mich damals schon beunruhigte, kommt nun ans Licht.

Im Gegensatz zu damals will ich heute nicht mehr mit Wut und Anklage auf die menschenunwürdigen Machenschaften reagieren, obwohl ich manchmal schrecklich wütend werde. Gleichzeitig empfinde ich, wenn ich mich in den Strassen umsehe, ein tiefes Mitgefühl für alle, die auf ihre Weise mit der aktuellen Situation einen Umgang suchen. Die meisten bemüht, das in ihren Augen Richtige zu tun. Einige mit Masken, andere ohne. Einige entschlossen, Widerstand zu leisten, andere mit gesenktem Blick und einem Gang, als ob sie am liebsten im Erdboden versinken würden. Im Hintergrund (im Feld) nehme ich eine feine Energie wahr, etwas Liebevolles. Da wächst etwas heran, eine Bewusstheit, die mich zuversichtlich stimmt. Wie käme ich dazu, irgend jemanden dafür zu verurteilen, dass er oder sie in einer scheinbar anderen Welt unterwegs ist als ich?

«Dinge geschehen, wie wir sie sehen.», ist einer meiner Leitsätze, den ich gerade überall bestätigt finde. Andere finden anderes bestätigt. So ist es nun. Und ich erinnere mich daran, wie das bei mir war, als ich – vor vierzig Jahren zum ersten Mal – in die dunkle Nacht der Seele katapultiert wurde. Das war eine tief erschütternde Erfahrung. Alles andere als angenehm. Totale Lähmung im Fühlen und Wollen, Ohnmacht pur. In diesem Zustand will eine weder gute Ratschläge hören noch Statistiken überprüfen. Sie tut einfach nur noch das Nötigste, um zu überleben. Und das ist in Ordnung so. Weil dies ein Geschehen ist, das unter der Regie der Seele steht. Das einzige, was mir letztlich geholfen hat, war: akzeptieren, geschehen lassen, im Vertrauen auf die grosse Kraft der Seele und von etwas, das einige Gott, die Quelle, das höchste Bewusstsein, nennen.

So werde ich nun still. Nur ein Fazit will ich noch anfügen. Wie wir die Dinge sehen, hängt von unserem Bewusstseinszustand ab. Daran können wir arbeiten, sofern wir wollen. Vielleicht nicht jetzt sofort, sondern wenn wir durch den dunklen Tunnel durch sind. Und: Wir brauchen keinen Konsens, um zu lieben! – Im Gegenteil. Vielleicht lehrt uns eine Situation, in der kein Konsens möglich ist, was lieben heisst. Und das ist doch ein Grund zu feiern!

Welten bewegen

Plötzlich bist du riesig und mächtig. Du kannst Welten bewegen und du weißt es. Flüssige Welten sind es in Wirklichkeit, Landschaften, die durch dich hindurch fliessen. Du gibst ihnen deine Prägung. Dir wird bewusst, welche Macht du hast. Panik erfasst dich einen Moment lang. Und wenn du das Falsche denkst?

Zurückkehren in die lichte Mitte. Vogelgezwitscher. Die Geometrie der Pflanzen. Und alles spricht die Sprache der Liebe. Die Avocado im Treppenhaus mit ihren saftigen grünen Blättern umhüllt dich mit Zärtlichkeit, sobald du ihrer gewahr wirst. Du bleibst stehen – mit Tränen in den Augen. Ergriffensein wie noch nie. Es nimmt dich fast weg von deinem Stand, macht dich wiederum flüssig, doch du erinnerst die Stufen, die Treppe, konzentrierst dich und steigst weiter hinauf zu deiner Wohnung. Hinlegen willst du dich. Es ist fast zu viel. „Die Welt wird so klein, wenn dein Herz gross ist“, denkst du. Dann schläfst du ein.

Bahnhof

Ein Zug steht im Bahnhof.

Es ist kein gewöhnlicher Zug, sondern einer, der in alle möglichen und auch in unmögliche Richtungen fahren kann.

Wo hin willst du?

Du drehst den Kopf, um zu schauen, wen der Zug gefragt haben könnte.
Kein Mensch in Sicht.
Du bist ganz allein in diesem 0815-Bahnhof.

Wo hin willst Du?, wiederholt der Zug seine Frage.

Du bist leicht konsterniert.
Schweigst erst mal.

Nichts geschieht.
Der Zug steht immer noch da.
Fragend irgendwie.

Muss ich mitfahren?,
fragst Du nach einigem Zögern.
Muss ich mich jetzt sofort entscheiden?

Der Zug lächelt.
Und schweigt.

Wo hin fährst Du?, fragst Du weiter.
Wo immer Du hin willst, sagt der Zug.
Freundlich und immer noch lächelnd.

Und wenn ich nicht weiss, wohin ich will?,
fragst Du jetzt gerade heraus.

Dann nehme ich dich mit auf eine Reise ins Jetzt.
Willst Du?

Ja, sagst du.

Okay, sagt der Zug.

Ins Jetzt – aber nicht weiter, bekräftigst du.

Ins Jetzt, aber nicht weiter, wiederholt der Zug.

Jetzt, ja, jetzt, sagst du innerlich und der Zug fährt los.
Es ist dunkel im Zug. Wie in einem langen Tunnel.
Nach einer Weile beginnst Du, etwas zu sehen.
In der Dunkelheit.
Als ob Bilder auf Dich zu kämen.
Du fährst durch die Bilder hindurch.
Durch ganze Bilder-Geschichten hindurch. Wie in einem Film.
Jetzt erst erkennst Du die Bilder.
Sie sind deine Vergangenheit. In dichten, rasch aufeinander folgenden Bildern.

Und jetzt?
Da kommen Deine Pläne für die Zukunft.
Du fährst durch sie hindurch.
Wirst leicht schläfrig.
Siehst immer noch Bilder.
Dieselben wie vorher, aber…
Sie sind eben dabei, sich aufzulösen.
Deine Pläne, Projekte, Vorhaben: sie verschmelzen zu einem einzigen flüssigen Kristall.

Jetzt, ja, jetzt ,
sagst Du, ohne etwas sagen zu wollen.

Der Zug fährt weiter.
Es ist immer noch dunkel.
Da sind keine Bilder mehr.
Auch der Kristall ist verschwunden.

Der Zug fährt.
Oder fährt er gar nicht mehr?

Jetzt, ja, jetzt,
hörst Du Dich sagen.
Dann ist es still.
Sehr still.
Und immer noch dunkel.

Plötzlich erinnerst Du Dich an etwas, was Dich der Zug gefragt hatte.
Wo hin willst Du?
Du fragst Dich, was Du tun würdest, wenn…

Wenn was?,
fragst Du in den dunklen Zug hinein.

Der Zug gibt keine Antwort.
Doch da ist etwas, was zu antworten scheint.
Du weißt nicht, wo es her kommt.
Es ist eine Frage, die Fortsetzung Deiner Frage:

Wenn Du alles noch einmal entscheiden, alles neu empfangen, alles neu schaffen würdest, jetzt – was würdest du tun?

Alte und neue Spiele

dinge geschehen
wie wir sie sehen

Und wenn wir uns sagen lassen, wie wir die Dinge sehen sollen, geben wir die uns innewohnende Schöpferkraft denen, die uns sagen, wie wir die Dinge sehen sollen.

So erschaffen wir, was andere wollen und machen uns zu Opfern. Das ist das alte Spiel.

Das neue Spiel ist eine Spielwiese für bewusste Schöpferinnen und Schöpfer.

Ehrlich gesagt,

interessiert mich gerade nichts mehr als Nähe und Kontakt zu anderen Menschen und Wesen (mich eingeschlossen). Zusammensein, Liebe, Zärtlichkeit, freudiges und unbeschwertes Spielen und Schaffen. Das Dasein mit allen Sinnen geniessen, während ich mich für neue Dimensionen des Seins öffne. Meine Entdeckungen und Erfahrungen mit anderen teilen, gemeinsam auf Forschungsreise gehen, neue Lebensweisen und -formen ausprobieren, das Alte ein für alle Mal zurück lassen – I’ve had it.

Und während ich dies tue, dürfen andere etwas anderes tun, anderen Interessen nachgehen, sich mit oder ohne Masken durch die Welt bewegen, ist alles okay für mich. Was nicht okay ist, ein no go, um ehrlich zu sein, ist, dass die einen den anderen sagen, was sie tun oder lassen sollen, wo sie sich wie bewegen dürfen, ob sie ihre Freundinnen und Freunde treffen dürfen oder nicht, ob sie sich vor einer Krankheit fürchten sollen und wie sehr.

Ja, das ist einfach nicht okay…

Dass uns jemand eine Geschichte erzählt, die wir glauben sollen, obwohl aktuell kein Mensch weiss, was wahr ist und es vielleicht einfach kein allgemein gültiges Narrativ mehr gibt in der sich nun öffnenden multidimensionalen Wirklichkeit, sondern eine unendliche Vielfalt von Szenarien, die alle so neu sind, dass sich niemand darin auskennt. Warum sollten wir das nicht einfach erforschen und erkunden? Gemeinsam? Indem wir zusammenrücken? Uns gegenseitig unterstützen und so lange in Liebe baden bis uns kein Keim mehr etwas anhaben kann?

Vision

In den letzten Tagen erinnerte ich mich an eine Vision, welche ich Anfangs der Neunzigerjahre in Form eines Gedichtes formulierte. Es trägt den Titel „My Jerusalem“ – nicht etwa um die umkämpfte Stadt Jerusalem im Nahen Osten oder etwas christlich Religiöses anzusprechen, sondern als Metapher, die mir in einem Traum übermittelt worden war.

In diesem Traum 1991 erschien mir meine Grossmutter am Ende eines langen Initiationsparcours, den ich offenbar gemeistert hatte, und übermittelte mir: „Ja, hier bin ich auch geboren worden, in Jerusalem.“
Ihre Aussage war mir ein Rätsel, doch der Traum war so intensiv und real, dass ich mit dem sicheren Gefühl aufwachte, dass dies ein Weckruf war, eine Vorbereitung auf etwas, was ich damals nicht benennen konnte.

Eine der Spuren, die ich verfolgte, um herauszufinden, worauf mich der Traum vorbereitet hatte, war die Aussage meiner Grossmutter. Erst einmal stand ich vor einem Rätsel. Ein paar Monate später stiess ich wie zufällig auf esoterische Bücher, in denen vom Neuen Jerusalem die Rede war. Mein Körper reagierte beim Lesen mit Gänsehaut… Das Neue Jerusalem sei eine Metapher für die „Stadt des Friedens“, las ich weiter, welche wir Menschen dereinst bauen würden, wenn die Zeit reif sei für die „Neue Erde“.

So entstand ein paar Monate später der folgende Text. Meine Vision für die Neue Zeit, die Zeit nach dem grossen Wandel:

My Jerusalem

I know you are there
in people’s heart
in every single human’s heart

My Jerusalem
town of peace
crown of the universe

My Jerusalem
please open
your doors

for those
who don’t know
about you

for those
who are searching
for something like

My Jerusalem
I know you’ll be there
for every single cell of ALL THAT IS

I heard the bell you rang
My Jerusalem
a long, long time ago

the bell
that called us
back to you

My Jerusalem
Your Jerusalem
Our Jerusalem

built in the hearts
of people
like you

built in every single heart of
people like them and us
who say:

„I don’t see you
but I know
you are there

My Jerusalem
our New Jerusalem
firmly built right now

in us.“

bekämpfen ist binden

Jetzt wird es spannend…

Wir erfahren gerade, wie real geistige Gesetze sind. Dass sie nun mehr denn je wirken – stärker als alle uns bekannten Gewohnheiten und so genannten Normalitäten. Dies wird nun deshalb offensichtlich, weil wir als Kollektiv, in enger Verbindung mit der Erde, bereits über die dritte Dimension hinaus gewachsen sind. Das heisst, wir haben uns geöffnet für die multidimensionale Wirklichkeit, in welcher die uns bekannte dreidimensionale Realität nur noch ein Bruchteil dessen ist, was wir erfahren. Es schwemmt uns hinaus aus dem Aquarium… und wir müssen navigieren lernen in einer uns vollkommen unbekannten vieldimensionalen Wirklichkeit. Was für ein Abenteuer! Und was für eine Herausforderung. Dabei wollen derzeit insbesondere zwei geistige Gesetze erkannt und angewandt werden.

Erstens: Die Energie folgt deinem Fokus. Anders ausgedrückt: Was du fokussierst, erschaffst du. Der Energie ist es egal, ob du etwas in deinen Fokus nimmst, weil du es liebst, ablehnst oder fürchtest. Sie fliesst da hin.

Zweitens: Im multidimensionalen Bewusstsein ist Trennung nicht mehr möglich. Wir sind da als eins verbunden, ob uns das gefällt oder nicht. Es ist somit unmöglich, sich von anderen abzuspalten, um sich zu «retten». Wir können die aktuellen Herausforderungen nur noch gemeinsam bewältigen, indem wir alle einschliessen, alle!

Mehr dazu im Audio:

eveline blum: bekämpfen ist binden (2020)

warum tun wir was wir tun?

Tun wir es aus dem Impuls zu lieben oder in der Hoffnung, Liebe zu bekommen, geliebt zu werden?

Tun wir es, um uns zu zeigen oder um uns – gegenüber anderen – zu beweisen?

Wollen wir, was wir tun, wirklich tun? Oder meinen wir, wir müssten es tun?

Gibt es jemanden, dem wir es recht machen wollen oder müssen?

Was wäre, wenn ich alle Energie, die ich investiert habe, um es anderen recht zu machen, zu mir zurück nehmen würde?

Ist es möglich, dass ich dann erfüllt wäre von Selbstliebe?

Kann es sein, dass ich auf dieser Basis andere Entscheidungen treffen würde? Mein Leben neu organisieren? Meine Freundschaften prüfen? Vielleicht loslassen, was mich nicht stärkt in der Liebe zu mir selbst?

Kann ich mir verzeihen, dass ich meine Macht an andere abgegeben habe, die mir sagten, wie ich sein soll?

Kann ich mir verzeihen, dass ich die Verantwortung für mein Leben an so genannte Autoritäten delegiert habe?

Kann ich mir verzeihen, dass ich glaubte, ich müsse mich verbiegen, verbessern, ändern, um geliebt zu werden?

Kann ich mir verzeihen, dass ich mir nicht erlaubt habe, mein Leben so zu leben, wie ich gestimmt und wozu ich bestimmt bin?

Habe ich den Mut, mich jetzt zu entscheiden, die volle Verantwortung dafür zu übernehmen, was ich tue und was ich lasse?

Kann ich mir erlauben, nur noch das zu tun, was ich für richtig und sinnvoll halte?

Wage ich es, meine Kraft zu spüren und anzunehmen?

Erlaube ich mir, in Freude und Liebe weiter zu gehen und gleichzeitig alle Gefühle von Angst, Unsicherheit, Zweifeln, Wut, Ohnmacht, Trauer, Hass, Groll und Ekel anzunehmen, wann immer sie sich zeigen? Dies im Wissen, dass ich nicht diese Gefühle bin, sondern das grosse Schöpferwesen, das alles umfasst?

Traue ich mich, die zu sein, die ich bin? In jedem Moment, bei jeder Begegnung? In Gedanken und Gefühlen bei mir zu bleiben, was auch immer geschieht?

Bin ich bereit, in echten Kontakt und Austausch zu kommen mit anderen Menschen? Bin ich bereit, mich ihnen zu zeigen, ohne jede Maske?

take a bath

Schwellenmätteli Bern. Photo eb

A propos baden…
Meine erste konkrete Erfahrung mit Bewusstsein hatte ich im Badezimmer.
Das war 1998 oder 1999, etwa ein halbes Jahr, nachdem ich begonnen hatte, mich dem Thema anzunähern. Über Gespräche mit Menschen, Lektüre von Büchern und unzähligen Beiträgen, die ich im Web fand.
Ich stand da im Badezimmer und schaute zufällig in die Ecke oberhalb der Badewanne. Weisse Fliesen, sonst nichts. Plötzlich schien diese Ecke zu leuchten, Licht auszustrahlen. Ich war baff. Und begann sogleich zu überprüfen, woher dieses Licht kommen könnte. Es war ein Herbsttag, etwa so wie heute. Draussen etwas Nebel. Weder von draussen noch hier im Badezimmer eine Lichtquelle auszumachen. Die Deckenlampe ausgeschaltet.
So verliess ich den Raum und nahm mir vor, diese Wahrnehmung im Verlauf des Tages zu überprüfen.
Nachdem ich mich zwei Stunden lang über einen Text gebeugt hatte, hochkonzentriert und minutiös auf Rechtschreibung achtend, musste ich auf die Toilette. Natürlich schaute ich beim Betreten des Badezimmers zuerst in besagte Ecke. Zu meiner Enttäuschung war das Leuchten nicht mehr da.
Zwei Tage später kam die Eingebung: „Das Leuchten ist immer da. Ob du es wahrnimmst oder nicht, hängt von deinem Bewusstseinszustand ab. Sobald du dich in einem weniger hoch schwingenden Bewusstsein befindest, siehst du die Welt in einem anderen, weniger leuchtenden Licht.“

Was ist Bewusstsein?

Alles ist Bewusstsein. Was wir wissen, was wir nicht wissen, was wir wissen können, was wir nicht wissen wollen, was uns bewusst ist, was uns nicht bewusst ist, was wir glauben, was wir ahnen, was uns andere gesagt haben, was wir erlebt haben, was wir noch erleben werden, was uns vorschwebt, was wir wünschen, was wir ablehnen, was wir lieben, was wir loben, was wir wollen, meinen oder verneinen… Die Liste lässt sich beinahe endlos fortsetzen. Weil ALLES nicht zu fassen ist, ebenso wenig wie Bewusstsein oder Leben. Es ist immer wieder anders.

Es gibt so viele Antworten auf die Frage „Was ist Bewusstsein?“, wie es Menschen gibt, die sie stellen. Jede und jeder schaut durch die eigene Bewusstseinsbrille. Und es ist diese Brille, welche die Antwort bestimmt. Es ist auch diese Brille, welche unsere Realität miterschafft.

Als ich mir diese Frage vor mehr als zwanzig Jahren zum ersten Mal stellte, war dies der Beginn einer Forschungsreise, einer Leidenschaft, das Leben zu erforschen, den Zusammenhängen zwischen Bewusstsein und Wirklichkeit nachzugehen. Die Reise ist endlos, weil sich beides laufend erweitert: Bewusstsein und Wirklichkeit. Es ist eine magische Reise, die mich entdecken liess, wie viel mehr da ist und wirkt, als uns die Lehrer in der Schule vermittelt haben, als uns die Wissenschaft glauben lassen will.

Es war und ist auch eine Reise hin zu mir, zum Kern, zu derjenigen, die ich bin. Jenseits von Prägungen, Vorgaben, Zuschreibungen, Rollen und Identitäten.

Bewusstsein zu erkunden öffnet uns für das, was ist. Dabei schälen wir wie bei einer Zwiebel Schicht um Schicht ab, die wir uns auf unseren Lebenswegen zugelegt haben, um zu überleben und/oder hineinzupassen in eine kleine Welt, die wir nun aufsprengen dürfen, um das Grosse zu erkunden, das diese Welt umfasst, hält und trägt.

Inspiriert haben mich viele Menschen auf diesem Weg. Bewusstseinsforscher, spirituelle Lehrerinnen und Lehrer, jede Menge Bücher und ganz viele Menschen, denen ich begegnen durfte.

Einer der wegweisenden Autoren zum Thema war und ist für mich Jean Gebser: Bewusstseinsforscher, Dichter und Visionär. Sein Werk hat mich derart eingenommen, dass ich ihm im Rahmen meiner Tätigkeit als Radio-Journalistin eine vierteilige Sendereihe widmete. Mehr dazu unter diesem Link.

Leicht schwindlig

„So geht das also. Du siehst neu, ohne etwas zu sehen. Bist da. Aufgewühlt. Verwirrt. Leicht schwindlig. Willst nichts Bestimmtes. Gehst durch den Tag wie eine Schlange, nah am Boden. Fliegst gleichzeitig wie eine Libelle. Steil hinauf und hinein in eine Welt. Steil hinunter und hinein in eine andere. Du bewegst dich mehrspurig. Bist Schlange und Libelle. Ein Mensch, der auch Tier ist. Insekt. Seine Flügel erinnert. Engelsflügel.“

aus: „Tanzen wird sie, erst einmal.“ (2019)

ein spiel

Eveline Blum: spoken word (2006*)

es war ein spiel das mich darauf brachte eine übung in der es darum ging herauszufinden was für einen satz wir wählen würden wenn wir nur noch einen einzigen zur verfügung hätten um ihn der menge zuzurufen vom dach eines hochhauses auf dem wir stünden kurz bevor wir diesen planeten verlassen würden wir hätten also nur noch diesen einen satz hiess es in der übung den wir den unten versammelten menschen zurufen könnten und dieser satz wäre das einzige was den menschen von uns in erinnerung bleiben würde ich erinnere mich gut wie ich spontan und in kindlicher freude diesen satz damals formulierte ich kann fliegen und nach einem tiefen atemzug schon halb in der luft schwebend fügte ich an und sie können das auch

*CD „wenn ich himmel wär“. poeta productions 2006.

Familien

Es ist eigenartig. Auch das Verständnis von Familie wandelt sich gerade auf wundersame Weise. Natürlich bin ich Teil der biologischen Familie mit allen Ahnen. Gleichzeitig sind da die Seelenverwandten, die uns im Lauf unseres Lebens fördern oder fordern, oder beides. Mit denen wir etwas zu tun haben, ob wir dies wollen oder nicht. Ich gehe davon aus, dass da nichts zufällig zusammenkommt. So wie es den Zufall im landläufigen Sinn gar nicht gibt. Es fallen uns wohl Dinge zu, scheinbar ohne Grund, ohne kausalen Zusammenhang. Doch im Hintergrund wirken akausale Kräfte, in allem was geschieht. Nur weil wir diese Kräfte weder sehen, messen noch verstehen können, heisst das nicht, dass sie nicht da sind.

Anyway. Zurück zum Thema Familien.

Im Verlauf der letzten Monate fiel mir auf, wie sich mein Gefühl von Zugehörigkeit von Tag zu Tag neu formierte.

Erst einmal war ich sehr viel allein. Und das führte dazu, dass ich mich selbst in neuer Tiefe wahrzunehmen begann. In diesem Wahrnehmen setzte ein Geschehen ein, das ich kaum beschreiben kann. Als ob ich mich in mich selbst hinein neu gebären würde. Gebärmutter war mein stilles erweitertes Bewusstsein. Darin nahm ich mich auf; mehr und mehr Teile von mir fanden darin Platz, und wenn ich meinte, der Prozess sei abgeschlossen, meldeten sich weitere Teile, die auch noch mit da hinein wollten. Also öffnete ich erneut mein Herz und dehnte es zusammen mit dem Bewusstsein noch weiter aus. «Okay, du darfst auch hier sein.», sagte ich zu jedem dieser Wesen, ob dies nun ein Gefühl, ein Gedanke, eine Energie oder eine innere Gestalt war. Alle durften da sein. Ich machte ihnen allen Platz.

Und dann rief mich die Deva vom Glasbrunnen, einem Kraftplatz im nahen Bremgartenwald.

Sie zeigte sich mir zum ersten Mal als grosse ätherische Gestalt zwischen den hohen Bäumen. Erst ihr feines Gesicht, den Schädel, wie eine Ausserirdische. Dann wechselte sie die Gestalt. Elfe, Mädchen, Frau, alle mit einem Gesicht, das ich als meines erkannte. Alle liebevoll, fein und zart. Unten im Körper der Deva ganz viele Wesen. Elementarwesen, zum Teil mit Fratzen, schaurig, schräg und wild. Sie schauen mich alle an. Da ist nichts Furchterregendes dabei; die Deva hält sie alle ruhig in ihrem Feld. Wie ich den Blick wieder nach oben wende, zum Kopf der Deva, ist ihr Schädel in den Hintergrund gerückt, versteckt hinter den Bäumen. Nun zeigt sich – ebenso ätherisch wie die Deva – eine andere Figur: ein männlicher Körper, schwer beladen und offensichtlich leidend. Vom Gefühl her bin das nicht ich. Dann noch eine Figur. Auch nicht ich. Kurz taucht wie ein Schatten die Deva noch einmal auf und verschwindet gleich wieder. Ihren Platz nimmt eine weitere Gestalt ein, scheu irgendwie, mit angestrengt offenen Augen. Als ob sie sich nicht sicher wäre, sich fragte, ob sie hier sicher sei. Ich versuche, die Deva wieder in mein Blickfeld zu bekommen, doch sie zeigt sich nicht mehr. Mit einem tiefen Ausatmen lasse ich los, danke für alles und gehe bedächtigen Schrittes zu meinem Fahrrad. «Auch die anderen sind alle ich.», vernehme ich, bevor ich losfahre.

Neugeburt

Es fühlt sich gerade an, als ob ich mich selbst neu gebären würde. Ein Druck im Unterleib, der nach nichts anderem verlangt, als dass ich mich dem Geschehen hingebe. Ähnlich wie beim Toilettengang: Es will was raus, aber es kommt nur, wenn ich es lasse. Sobald ich zu sehr presse, geht gar nichts mehr. Und doch braucht es meine volle Präsenz und ein kurzes Pressen im richtigen Moment. Eine Synthese zwischen fokussierter Absicht und entspanntem Geschehenlassen, eine Zusammenarbeit zwischen der Körperdeva und dem wachen Selbst. Nur das kleine Ich mit seinem Tunwollen und seinen Erwartungen hat hier nichts zu suchen. Dies ist ein Geschehen zwischen Himmel und Erde, ein Zusammenwirken zwischen dem Höchsten und dem Niedrigsten, das uns demonstriert, wie unangemessen eine Wertung ist, welche das Höchste oder Obere als besser und das Niedrigste oder Untere als weniger gut einstuft.

Als ich mir das gestern publizierte audio piece zwanzig Jahre nach der Produktion wieder mal anhörte, wurde mir zweierlei bewusst. Erstens: Wie sehr ich damals unter Druck stand und meinte, dieser Umbau müsse sofort vonstatten gehen, weil wir keine Zeit mehr für lange Prozesse hätten. Zweitens: Ich habe zwanzig Jahr gebraucht für den inneren Prozess, den ich damals vorausahnte, ersehnte und anpeilte. Dabei ging es mir (und im besten Fall kommt das im audio rüber) mehr um den Umbau meiner inneren Wohnungen als um neue Möbel. Und genau dafür brauchte ich Zeit. Viel mehr Zeit als ich bereit war, mir zu gewähren. Das Fatale daran war, wie ich heute klar erkenne: Je mehr ich diesen Umbau willentlich anpeilte, desto mehr entzog er sich mir. Als ob ich den ersehnten Wandel mit meinem (zeitweise krampfhaften) Wollen von mir wegstossen würde. Was mich unglaublich wütend machte. Auf mich selbst, auf die Trägheit dieser physischen Dimension, auf Menschen, die nichts von einem Wandel hören wollten, auf Institutionen, die in erstarrten Strukturen verharrten. So distanzierte ich mich innerlich von all dem – von der Welt, aber auch von mir selbst. Im Willen, alles zu verändern…

Wenn ich jetzt, im August 2020, hineinfühle in die aktuelle Stimmung da draussen, habe ich den Eindruck, dass es vielen Menschen ähnlich geht. Sie wollen eine Veränderung. Jetzt sofort. Und sie meinen zu wissen, wie das geht. Können nicht verstehen, dass andere nicht auch so wie sie… Vielleicht befassen sie sich eher mit dem äusseren Umbau als mit dem inneren, doch der Mechanismus ist derselbe: Was sie mit Anstrengung und Willen anstreben, funktioniert nicht mehr. Unabhängig davon, wie sie über Corona denken, ob sie für oder gegen die aktuellen Massnahmen sind.

Das ist, was ich aktuell wahrnehme und was ich dazu sagen kann. Es geht so nicht weiter. Mit Willen, mit Anstrengung, mit Spaltungen und Abtrennungen von anderen. Mit dem Fokus auf Gewinn. Mit Konkurrenz. Mit Leben auf Kosten anderer. Wir leben in einem neuen Paradigma. Und dieses Paradigma verlangt von uns ein völlig neues Bewusstsein, eine neue Herangehensweise, eine neue Art zu leben. Wie, wo, was, finden wir gerade gemeinsam heraus. In diesem kollektiven Geburtsprozess. Und da ist, es liegt auf der Hand, die Weisheit des weiblichen Prinzips gefragt, mehr denn je. Wobei – auch das ist längst bekannt: Frauen wie Männer darauf zugreifen können. Sofern sie es wagen und den Mut aufbringen, sich einem Prozess hinzugeben, den sie nicht in der Hand haben.

neu sehen

Was mir bewusst wird angesichts des abgrundtiefen Leides, das ich bei vielen Menschen sehe und spüre:

Wir müssen aufhören, die Dinge persönlich zu nehmen. Aufhören, andere verantwortlich zu machen für das, was uns geschieht. Aufhören Schuld zuzuweisen, aufhören, uns als Opfer zu positionieren und andere zu Tätern zu machen. Oder umgekehrt.

Das ist ein Spiegelkabinett, dem wir nicht entkommen, so lange wir nicht fähig und entschlossen sind, die Ebene zu wechseln, das Mensch-ärgere-dich-nicht-Spielfeld zu verlassen.

Wir können das, wir sind dafür ausgerüstet, ja, ich behaupte sogar, wir sind dafür vorgesehen, dies zu tun. Jetzt. Und immer wieder. Es ist ja ein Gang auf Messers Schneide, so lange wir noch mittendrin sind in diesem alten Spiel.

Sobald wir aufhören, die Dinge persönlich zu nehmen und in irgend einer Weise beleidigt zu sein, können wir erst einmal anhalten und den ganzen Shit annehmen, den wir kreiert haben. Wir alle gemeinsam. Und dann die Ebene wechseln, indem wir alles Urteilen loslassen. Das ist die Herausforderung. Aufhören zu kämpfen. Aufhören zu schimpfen. Aufhören zu jammern. Fühlen, wie es gerade ist. Weinen, wenn weinen dran ist. Seufzen. Unter die Bettdecke kriechen. Atmen. Und dann still werden. Nach und nach sehen, wie wir alle gemeinsam in diesem Boot sitzen. Was da gerade geschieht. Im Annehmen neu sehen, was da ist. Mitfühlend schauen auf uns selbst und auf die anderen. Das Geschehen aus einer erweiterten Perspektive wahrnehmen. Spüren, dass da etwas ist, was uns übersteigt. Etwas Feines, Starkes, Unbenennbares. Uns dieser Intelligenz anvertrauen und von ihr inspirieren lassen. Handeln, sobald wir spüren, dass Handlung dran ist. Nicht gegen etwas, sondern für das, was uns erhebt, begeistert und freut. So irgendwie würde ich predigen, wenn ich ein Mandat dazu hätte. Zum Glück hab ich keins!

Welt voller Wunder?

Kürzlich traf ich einen langjährigen Freund im Bioladen. Ich freute mich sehr, nach dem Einkauf noch mit ihm ins Gespräch zu kommen – nach dem langen Retreat war ich richtig hungrig auf Begegnungen und Austausch.

Nach kurzer Zeit waren wir ziemlich heftig am Debattieren… unsere Einschätzungen dessen, was gerade passiert, unterschieden sich so grundsätzlich, dass es mir im Herzen weh tat. In einer Atempause entfuhr es mir: „Hey, ich mag dich im Fall total gut, auch wenn wir nicht gleicher Meinung sind.“ Er daraufhin: „Ich dich auch, aber ich habe Angst, dass du dich gerade aus der Welt entfernst, in der ich lebe.“

Die persönlichen Statements nahmen etwas Spannung raus aus der Luft in unserem Zweimeterraum, wir verabschiedeten uns in Frieden, doch in mir arbeitete es weiter.

Was sich für mich aus der Diskussion heraus kristallisierte, ist Folgendes: Ja es geht um Balance. Zwischen oben und unten, links und rechts, innen und aussen. Dieses Ringen um Balance äussert sich in jedem Individuum anders, jede/R hat ihre/seine Themen, die jetzt ausbalanciert werden wollen. Von daher ist es sinnlos, zu diskutieren, wer Recht hat. Aus diesem Diskurs und aus der Welt, in der es ums Rechthaben geht, verabschiede ich mich. Das interessiert mich nicht mehr. Was mich aber sehr wohl interessiert, ist Wahrheit und das Aufdecken von Lügen. – Auch im Zusammenhang mit Krieg. Ob das nun ein physischer Kampf mit Waffengewalt oder ein virtueller Informationskrieg ist, macht für mich keinen Unterschied. Ich gehe davon aus, dass jeder Krieg auf einer Lüge basiert, die den Menschen erzählt wird, um sie zu instrumentalisieren, oder die wir Menschen uns selbst erzählen, um nicht konfrontiert zu werden mit dem Krieg, den wir in unserem Innern gegen uns selbst führen.

Balance und Frieden in der äusseren Welt werden wir nicht erreichen über Diskussionen, Schuldzuweisungen, Demonstrationen, Angriffs- oder Verteidigungsbündnisse. Probleme und Konflikte lassen sich nicht auf derselben Ebene lösen, wie sie entstanden sind, das hat schon Einstein festgestellt. Ich knüpfe da an und sage: Der Weg zu Balance und Frieden in der Welt öffnet sich erst, wenn sich Menschen aufmachen, dies in ihrem Innern zu erschaffen. Wieder und wieder… So lange ich mit dem Finger auf andere zeige und sage: „Das sind die Bösen“, gebe ich meine Macht an die Beschuldigten ab, ich gebe ihnen meine Energie. Neue Schöpfungen sind erst möglich, wenn wir alle unsere Macht zu uns nehmen und damit auch unsere Verantwortung für den inneren Raum, welcher als Schöpfungsraum wirkt – ob wir dies wollen oder nicht, ob wir uns dessen bewusst sind oder nicht.

Die Frage ist somit: Wie beende ich den Krieg in meinem Innern? Wie finde ich dort den Zugang zu Wahrheit. Einer Wahrheit, die mich befreit vom Kampf gegen mich selbst? Und da wird es spannend. Willkommen in der hohen Schule der Heilung über das Bewusstsein, die wir gerade betreten dürfen. Nicht müssen! Das ist alles freiwillig. Genau so wie auf dieser Ebene alles funktioniert. Auf der Basis des freien Willens, der sich dem Höchsten hingibt. Es ist eine Wahl. Und die Entscheidung, den freien Willen des Egos auf – zu – geben. Im Bewusstsein, dass wir alle Teil des Ganzen sind und das Ganze in uns tragen. Hier beginnt die Überwindung des Dualismus, den wir nun wahrlich genug erforscht haben.

Wenn das geschieht, fühlt es sich an wie ein Wunder. Wir können es nicht machen, nur empfangen. Einmal erfahren, wollen wir es wieder haben. Da öffnet sich schon wieder das Tor für das Ego, das will, will, will. Und damit vertreiben wir das Wunder wieder, das gerade begonnen hat zu wirken. So beginnen wir nochmal von vorn, jede auf ihre, jeder auf seine Weise. Es braucht dafür keine Religion. Bewusstsein ist und wirkt jenseits von Dogma und Moral. Es ist auch nichts, was wir erwerben können. Kein Tool. Eher ein Zustand, eine Seinsweise. Nicht zu beschreiben, nicht zu lehren, nicht zu fassen, nur über eigene Erfahrung zu erschliessen.

„Diese Welt ist voller Wunder. Sie stehen in leuchtendem Schweigen neben jedem Traum von Schmerz und Leiden, von Sünde und Schuld.“ (Ein Kurs in Wundern)

„Life Force for Rent“

Ich traute meinen Augen nicht, drehte den Kopf ab, blinzelte zwei Mal und schaute wieder hin. Doch, da poppte ein Text auf im Display meines Radios: „Life Force for Rent“. Dazu lief aber kein Song mit diesem Refrain oder Titel, sondern die neusten Meldungen des Tages, gesprochen vom Moderator der Regionalnachrichten.

Es war mir ein Rätsel, wer diesen Text aus welchem Grund da eingegeben hatte. Rätsel dürfen sein, klar, ich liebe sie. Und wir dürfen sie einfach stehen lassen, ohne weiter darüber nachzudenken. Doch das hier krallte sich irgendwie fest in mir. „Du musst das nicht weiter beachten“, versuchte ich mir einzureden und das funktionierte genau so wie wenn du dir befiehlst, nicht an einen rosaroten Elefanten zu denken. Das war gestern Abend.

Nach einer ruhigen Nacht begannen heute Morgen Fragen und Assoziationen in mir aufzutauchen.

Nehmen wir mal an, die Lebensenergie wurde uns nur geliehen, sie gehört uns gar nicht. 

Stimmt das? Und wenn ja, was machen wir damit? Wofür setze ich sie ein? Wofür will ich sie einsetzen? Wie bewusst nutze ich sie? Nehme ich sie als Geschenk an oder meine ich, sie verdienen oder von anderen bekommen zu müssen? Ist die Ursache vieler zwischenmenschlicher Konflikte letztlich ein Kampf um Lebensenergie? Was wäre, wenn wir alle im Bewusstsein leben würden, dass für alle genug da ist? Lebensenergie, Liebe, Essen… Wenn wir das so fühlen würden und entsprechend handeln? Nicht weil wir so fühlen müssen oder sollen, sondern weil es für uns so ist? Plötzlich gäbe es keinen Grund mehr, darum zu kämpfen, wir könnten einfach empfangen und teilen, endlos und vollkommen entspannt.

Rätsel gelöst? Nein, mitnichten. Die Frage bleibt: Wie machen wir das konkret? Wie kommen wir in diesese Gefühl der Fülle, in die entsprechende Erfahrung?

E Schnaagg

E Schnaagg… in meinem Schlafzimmer, an der Wand direkt neben meinem Bett. Ein Riesending. Ich hole mir einen durchsichtigen Becher und fange ihn ein. Sorgfältig schiebe ich sodann einen Karton unten durch. Der Schnaagg bewegt sich von selbst auf den Karton; sehr vorsichtig tappt er seitwärts drauf mit seinen langen Beinen. Derweil betrachte ich ihn. Er ist schön und gleichzeitig etwas gruselig mit seinen dünnen Beinchen und dem beinahe klappernd dünnen Körpergestell. Wie er ganz auf dem Karton ist, bewege ich Becher und Karton weg von der Wand. In dem Moment sehe ich, wie er einen Schock erleidet. Sein Schwanz, der unterste Teil der gut sichtbaren Wirbelsäule, zieht sich unmittelbar nach hinten zusammen und stellt sich auf. Sieht aus wie ein sehr ungesundes hohles Kreuz, aber ganz am unteren Ende der Wirbelsäule. Ich beginne sofort mit ihm zu sprechen: «Keine Angst, ich bringe dich nur raus und lasse dich dann frei.» Doch er scheint mich nicht zu hören und beginnt nun panisch im Kreis herum zu gehen, tastend an den Becherwänden, als ob er da hochklettern wolllte. Ich eile durchs Zimmer hinaus auf den Balkon und nehme den Karton weg. Im Nu und ohne jedes Zögern fliegt der Schnaagg hinaus ins Freie, steigt auf in die Luft. Mir wird ganz leicht ums Herz und ein Grinsen zieht mir die Mundwinkel hoch.

das buch

Liebe Lesende

Ende Oktober ging der erste Teil dieses Blogs zu Ende.  Die Beiträge der Jahre 2016 und 2017 sind inzwischen als Buch erschienen.

eveline blum: «jetzt ist die zeit – gedichte zur zeitenwende»

jetzt_E-Book-Cover

 

Das Buch kann in jeder Buchhandlung oder beim Verlag bestellt werden.  Für Lieferungen in die Schweiz auch direkt bei mir: info (at) evelineblum.ch