Familien

Es ist eigenartig. Auch das Verständnis von Familie wandelt sich gerade auf wundersame Weise. Natürlich bin ich Teil der biologischen Familie mit allen Ahnen. Gleichzeitig sind da die Seelenverwandten, die uns im Lauf unseres Lebens fördern oder fordern, oder beides. Mit denen wir etwas zu tun haben, ob wir dies wollen oder nicht. Ich gehe davon aus, dass da nichts zufällig zusammenkommt. So wie es den Zufall im landläufigen Sinn gar nicht gibt. Es fallen uns wohl Dinge zu, scheinbar ohne Grund, ohne kausalen Zusammenhang. Doch im Hintergrund wirken akausale Kräfte, in allem was geschieht. Nur weil wir diese Kräfte weder sehen, messen noch verstehen können, heisst das nicht, dass sie nicht da sind.

Anyway. Zurück zum Thema Familien.

Im Verlauf der letzten Monate fiel mir auf, wie sich mein Gefühl von Zugehörigkeit von Tag zu Tag neu formierte.

Erst einmal war ich sehr viel allein. Und das führte dazu, dass ich mich selbst in neuer Tiefe wahrzunehmen begann. In diesem Wahrnehmen setzte ein Geschehen ein, das ich kaum beschreiben kann. Als ob ich mich in mich selbst hinein neu gebären würde. Gebärmutter war mein stilles erweitertes Bewusstsein. Darin nahm ich mich auf; mehr und mehr Teile von mir fanden darin Platz, und wenn ich meinte, der Prozess sei abgeschlossen, meldeten sich weitere Teile, die auch noch mit da hinein wollten. Also öffnete ich erneut mein Herz und dehnte es zusammen mit dem Bewusstsein noch weiter aus. «Okay, du darfst auch hier sein.», sagte ich zu jedem dieser Wesen, ob dies nun ein Gefühl, ein Gedanke, eine Energie oder eine innere Gestalt war. Alle durften da sein. Ich machte ihnen allen Platz.

Und dann rief mich die Deva vom Glasbrunnen, einem Kraftplatz im nahen Bremgartenwald.

Sie zeigte sich mir zum ersten Mal als grosse ätherische Gestalt zwischen den hohen Bäumen. Erst ihr feines Gesicht, den Schädel, wie eine Ausserirdische. Dann wechselte sie die Gestalt. Elfe, Mädchen, Frau, alle mit einem Gesicht, das ich als meines erkannte. Alle liebevoll, fein und zart. Unten im Körper der Deva ganz viele Wesen. Elementarwesen, zum Teil mit Fratzen, schaurig, schräg und wild. Sie schauen mich alle an. Da ist nichts Furchterregendes dabei; die Deva hält sie alle ruhig in ihrem Feld. Wie ich den Blick wieder nach oben wende, zum Kopf der Deva, ist ihr Schädel in den Hintergrund gerückt, versteckt hinter den Bäumen. Nun zeigt sich – ebenso ätherisch wie die Deva – eine andere Figur: ein männlicher Körper, schwer beladen und offensichtlich leidend. Vom Gefühl her bin das nicht ich. Dann noch eine Figur. Auch nicht ich. Kurz taucht wie ein Schatten die Deva noch einmal auf und verschwindet gleich wieder. Ihren Platz nimmt eine weitere Gestalt ein, scheu irgendwie, mit angestrengt offenen Augen. Als ob sie sich nicht sicher wäre, sich fragte, ob sie hier sicher sei. Ich versuche, die Deva wieder in mein Blickfeld zu bekommen, doch sie zeigt sich nicht mehr. Mit einem tiefen Ausatmen lasse ich los, danke für alles und gehe bedächtigen Schrittes zu meinem Fahrrad. «Auch die anderen sind alle ich.», vernehme ich, bevor ich losfahre.