Welt voller Wunder?

Kürzlich traf ich einen langjährigen Freund im Bioladen. Ich freute mich sehr, nach dem Einkauf noch mit ihm ins Gespräch zu kommen – nach dem langen Retreat war ich richtig hungrig auf Begegnungen und Austausch.

Nach kurzer Zeit waren wir ziemlich heftig am Debattieren… unsere Einschätzungen dessen, was gerade passiert, unterschieden sich so grundsätzlich, dass es mir im Herzen weh tat. In einer Atempause entfuhr es mir: „Hey, ich mag dich im Fall total gut, auch wenn wir nicht gleicher Meinung sind.“ Er daraufhin: „Ich dich auch, aber ich habe Angst, dass du dich gerade aus der Welt entfernst, in der ich lebe.“

Die persönlichen Statements nahmen etwas Spannung raus aus der Luft in unserem Zweimeterraum, wir verabschiedeten uns in Frieden, doch in mir arbeitete es weiter.

Was sich für mich aus der Diskussion heraus kristallisierte, ist Folgendes: Ja es geht um Balance. Zwischen oben und unten, links und rechts, innen und aussen. Dieses Ringen um Balance äussert sich in jedem Individuum anders, jede/R hat ihre/seine Themen, die jetzt ausbalanciert werden wollen. Von daher ist es sinnlos, zu diskutieren, wer Recht hat. Aus diesem Diskurs und aus der Welt, in der es ums Rechthaben geht, verabschiede ich mich. Das interessiert mich nicht mehr. Was mich aber sehr wohl interessiert, ist Wahrheit und das Aufdecken von Lügen. – Auch im Zusammenhang mit Krieg. Ob das nun ein physischer Kampf mit Waffengewalt oder ein virtueller Informationskrieg ist, macht für mich keinen Unterschied. Ich gehe davon aus, dass jeder Krieg auf einer Lüge basiert, die den Menschen erzählt wird, um sie zu instrumentalisieren, oder die wir Menschen uns selbst erzählen, um nicht konfrontiert zu werden mit dem Krieg, den wir in unserem Innern gegen uns selbst führen.

Balance und Frieden in der äusseren Welt werden wir nicht erreichen über Diskussionen, Schuldzuweisungen, Demonstrationen, Angriffs- oder Verteidigungsbündnisse. Probleme und Konflikte lassen sich nicht auf derselben Ebene lösen, wie sie entstanden sind, das hat schon Einstein festgestellt. Ich knüpfe da an und sage: Der Weg zu Balance und Frieden in der Welt öffnet sich erst, wenn sich Menschen aufmachen, dies in ihrem Innern zu erschaffen. Wieder und wieder… So lange ich mit dem Finger auf andere zeige und sage: „Das sind die Bösen“, gebe ich meine Macht an die Beschuldigten ab, ich gebe ihnen meine Energie. Neue Schöpfungen sind erst möglich, wenn wir alle unsere Macht zu uns nehmen und damit auch unsere Verantwortung für den inneren Raum, welcher als Schöpfungsraum wirkt – ob wir dies wollen oder nicht, ob wir uns dessen bewusst sind oder nicht.

Die Frage ist somit: Wie beende ich den Krieg in meinem Innern? Wie finde ich dort den Zugang zu Wahrheit. Einer Wahrheit, die mich befreit vom Kampf gegen mich selbst? Und da wird es spannend. Willkommen in der hohen Schule der Heilung über das Bewusstsein, die wir gerade betreten dürfen. Nicht müssen! Das ist alles freiwillig. Genau so wie auf dieser Ebene alles funktioniert. Auf der Basis des freien Willens, der sich dem Höchsten hingibt. Es ist eine Wahl. Und die Entscheidung, den freien Willen des Egos auf – zu – geben. Im Bewusstsein, dass wir alle Teil des Ganzen sind und das Ganze in uns tragen. Hier beginnt die Überwindung des Dualismus, den wir nun wahrlich genug erforscht haben.

Wenn das geschieht, fühlt es sich an wie ein Wunder. Wir können es nicht machen, nur empfangen. Einmal erfahren, wollen wir es wieder haben. Da öffnet sich schon wieder das Tor für das Ego, das will, will, will. Und damit vertreiben wir das Wunder wieder, das gerade begonnen hat zu wirken. So beginnen wir nochmal von vorn, jede auf ihre, jeder auf seine Weise. Es braucht dafür keine Religion. Bewusstsein ist und wirkt jenseits von Dogma und Moral. Es ist auch nichts, was wir erwerben können. Kein Tool. Eher ein Zustand, eine Seinsweise. Nicht zu beschreiben, nicht zu lehren, nicht zu fassen, nur über eigene Erfahrung zu erschliessen.

„Diese Welt ist voller Wunder. Sie stehen in leuchtendem Schweigen neben jedem Traum von Schmerz und Leiden, von Sünde und Schuld.“ (Ein Kurs in Wundern)