„Life Force for Rent“

Ich traute meinen Augen nicht, drehte den Kopf ab, blinzelte zwei Mal und schaute wieder hin. Doch, da poppte ein Text auf im Display meines Radios: „Life Force for Rent“. Dazu lief aber kein Song mit diesem Refrain oder Titel, sondern die neusten Meldungen des Tages, gesprochen vom Moderator der Regionalnachrichten.

Es war mir ein Rätsel, wer diesen Text aus welchem Grund da eingegeben hatte. Rätsel dürfen sein, klar, ich liebe sie. Und wir dürfen sie einfach stehen lassen, ohne weiter darüber nachzudenken. Doch das hier krallte sich irgendwie fest in mir. „Du musst das nicht weiter beachten“, versuchte ich mir einzureden und das funktionierte genau so wie wenn du dir befiehlst, nicht an einen rosaroten Elefanten zu denken. Das war gestern Abend.

Nach einer ruhigen Nacht begannen heute Morgen Fragen und Assoziationen in mir aufzutauchen.

Nehmen wir mal an, die Lebensenergie wurde uns nur geliehen, sie gehört uns gar nicht. 

Stimmt das? Und wenn ja, was machen wir damit? Wofür setze ich sie ein? Wofür will ich sie einsetzen? Wie bewusst nutze ich sie? Nehme ich sie als Geschenk an oder meine ich, sie verdienen oder von anderen bekommen zu müssen? Ist die Ursache vieler zwischenmenschlicher Konflikte letztlich ein Kampf um Lebensenergie? Was wäre, wenn wir alle im Bewusstsein leben würden, dass für alle genug da ist? Lebensenergie, Liebe, Essen… Wenn wir das so fühlen würden und entsprechend handeln? Nicht weil wir so fühlen müssen oder sollen, sondern weil es für uns so ist? Plötzlich gäbe es keinen Grund mehr, darum zu kämpfen, wir könnten einfach empfangen und teilen, endlos und vollkommen entspannt.

Rätsel gelöst? Nein, mitnichten. Die Frage bleibt: Wie machen wir das konkret? Wie kommen wir in diesese Gefühl der Fülle, in die entsprechende Erfahrung?